Secrets: Dezember


 

Band

4

 

Erscheinungsjahr

2017

 

Erhältlich als signiertes Taschenbuch bei

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Alles ist anders.

 

"Offiziell" hat sich natürlich nichts geändert, doch Luke hat das Gefühl, seine Welt wäre zerbrochen. Dabei hat er es selbst verschuldet - und das weiß er auch. Zum Glück steht Dean ihm bei. Ohne zu drängen. Ohne zu fordern. Ohne zu urteilen. Als Freund.

 

Womit Luke allerdings nicht gerechnet hat, ist eine heftige Gehirnerschütterung, die seine Welt ein weiteres, unerwartetes Mal durcheinanderwirbelt.

 

Und plötzlich ist alles noch anderser.



Leseprobe


Um ihn herum redeten Menschen. Er hörte sie, verstand die Worte, interessierte sich jedoch nicht für das Gesprochene.

 

Ihm war schlecht.

 

Sein Mund fühlte sich staubtrocken an.

 

Schwindel ließ die Welt vor seinem inneren Auge sich drehen.

 

Sein Körper reagierte nicht auf seine Befehle.

 

Alles, was er tun konnte, war zu liegen.

 

Er fühlte sich an seinen Fiebertraum erinnert, doch er war aufnahmefähiger. Zumindest glaubte er, dass es so war.

 

Jemand sprach ihn an.

 

Mehrfach.

 

Rief seinen Namen und schlug ihm ins Gesicht.

 

Es tat nicht weh.

 

Er konnte noch nicht einmal antworten.

 

Auch seine Augen wollten nicht aufgehen.

 

Dass er viel zu viel in zu kurzer Zeit hinuntergekippt hatte, war ihm durchaus bewusst. Dafür wollte er sich entschuldigen, hätte seine Stimme getan, was er von ihr verlangte.

 

„Zieht ihn hoch,“ sagte jemand.

 

Dean? War er noch da? Hatte er sich nicht verkrümelt, als er bemerkt hatte, wie viel Luke schon gesoffen hatte?

 

Er wollte lächeln, um anzudeuten, dass er sich freute. Doch im selben Moment beförderte man ihn ruckartig in eine senkrechte Stellung. Sein Kopf lag im Nacken, seine Arme waren nach vorne gestreckt, und er befürchtete, er wäre jeden Augenblick auseinandergerissen worden. Außerdem nahm die Übelkeit wieder zu.

 

Er würgte.

 

„Weg, er kotzt,“ rief eine andere, hohe Stimme.

 

Augenblicklich fiel sein linker Arm nach unten, ohne dass er dagegenwirken konnte. Die Spannung in seinem rechten ließ ebenfalls nach. Etwas Kaltes, Rundes ruhte plötzlich auf seinen Oberschenkeln.

 

„Lass es raus,“ flüsterte Dean an seiner Seite.

 

Wie vorhin streichelte der Hockeyspieler über seinen Rücken.

 

Das tat gut. Es war beruhigend. Wohlig, gewissermaßen. Vertraut. Das erlaubte ihm zu entspannen, und zu erbrechen. Sein Magen schmerzte vom vielen Würgen.

 

Aus dem hintersten Winkel seiner Erinnerung zog er einen Gedanken hervor, den die Berührung und Dean in ihm auslösten.

 

„Miau,“ quetschte er hervor, bevor er kraftlos nach vorne sackte.

 

Es war wohl Dean, der ihn gleich auffing. Crystal murmelte etwas, als sie sich über ihn beugte, um das Ding auf seinen Schenkeln zu entfernen. Hatte sie ihm eine Schüssel zum Kotzen hingestellt? Wie aufmerksam von ihr! Er wollte sich bedanken, aber mehr als ein klägliches „mhhh-hm“ kam nicht aus seiner Kehle.

 

„Hat er grad miau gesagt?“, fragte Stan.

 

Bestimmt fand er das extrem lustig. Stan hatte schon immer ein Faible für Abartigkeiten gehabt.

 

„Hat er,“ bejahte Dean, als wäre es das Normalste der Welt.

 

„Warum?“, fragte Crystal.

 

„Weil er nach Hause will.“ Dean lächelte; das erkannte Luke an der Art, wie er es sagte.

 

„Wer hätte das gedacht.“ Glucksend kam Stans Stimme näher. „Willst du nach Hause, Miaui?“

 

„Mhhh-hm,“ antwortete Luke.

 

Das Geräusch vibrierte in seinem Bauch und Kopf.

 

Ja, er wollte nach Hause und seinen unnötigen, unvorhergesehen heftigen Rausch ausschlafen, der ihn selbst überrascht hatte. Seine Mutter drehte ihm den Hals um, wenn sie ihn so sah, doch zurück konnte er nun auch nicht mehr. Der Gedanke trieb ihn zu Tränen. Und er musste sich erneut übergeben.

 

„Scheiße,“ fluchte Stan leise. „Alter, mach’ das nicht, wenn du keine Schüssel drunter hast.“

 

Er wollte lachen.

 

Und weinen.

 

„Mhhh-hm!“

 

„Gib‘ her.“ Dean begann seine Hose zu säubern. „Was mach’ ich nur mit dir? Soll ich dich so zu deiner Mom bringen?“

 

Ein klägliches Fiepen entkam ihm. Nein, unter keinen Umständen durfte er so zu seiner Mutter gelangen.

 

„Mhhh?“

 

„Wo ist dein Handy?“, wollte Dean wissen.

 

Er lehnte sich nach links, um zu zeigen, dass es in seiner rechten Hosentasche war. Dabei verlor er jedoch das Gleichgewicht und krachte zu Boden.

 

[...]