Secrets: November


 

Band

3

 

Erscheinungsjahr

2016

 

Erhältlich als signiertes Taschenbuch bei

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Erhältlich als eBook bei

amazon

 

Eigentlich spricht nichts gegen ein Date mit Sasha. Selbst Arizona hat ihr Einverständnis dazu gegeben - auf freundschaftlicher Ebene...

Doch Sasha hat nie Zeit, und Arizona nähert sich immer mehr Tom an. Das nervt Luke.

Wie gut, dass es da ein altes Hobby gibt, das er wieder aufnimmt, um sich von all den Beziehungsdramen an der Parker High abzulenken.

Und was ist der diskussionswerte Unterschied zwischen Marmelade und Haselnusscreme?



Leseprobe


Mittwoch, 12. November 2014

  

[...]

 

„Liebes, die Suppe wird sich nicht von selbst in die Schüssel füllen,“ murmelte Francine neben ihr.

 

Überrascht blickte Arizona auf den Schöpflöffel in ihrer Hand, den sie halb zwischen Topf und Schale erhoben hatte. „Bitte entschuldige, ich bin heute irgendwie neben mir…“

 

„Das ist mir schon im Auto aufgefallen.“ Francine entnahm ihr den Schöpfer und füllte erst Arizonas und anschließend ihre eigene Schale. „Du schienst auch gestern beim Abendessen sehr abgelenkt gewesen zu sein. Worüber machst du dir denn Gedanken?“

 

„Nun, ich… danke…“ Vorsichtig griff sie nach einem Löffel und einer Serviette. „Thanksgiving und Sebastians Geburtstag sind Dinge, worüber ich viel nachdenke,“ erfand sie eine rasche Notlösung.

 

Natürlich machte sie sich darüber Gedanken, vor allem über den Geburtstag. Dass Vivienne zu Besuch kam, war ihr ganz und gar nicht recht. Für Thanksgiving wiederum musste sie sich jemanden suchen, der mit ihr Zeit verbringen wollte. Sebastian hatte bereits angekündigt, die Feiertage wie üblich mit Jensen bei Holly in Kentucky zu verbringen; ihr Vater war bestimmt in der Stadt, um „wichtige Geschäftstermine wahrzunehmen“, denen gewisse, vollbusige Generalsgattinnen beiwohnen würden, die ihre Tochter bei deren bester Freundin (nämlich in dem Haus, in welchem sie sich gerade selbst zufälligerweise befand) einquartierte, während ihr Gatte im Golfclub versoff. Und die Laufingtons hatten die Großeltern aus Hamburg zu Besuch. Viele Möglichkeiten boten sich ihr nicht.

 

Sie hatte bereits überlegt, alleine eine kleine Reise zu machen, um kurzfristig andere Luft zu schnuppern. Seit je her zog es sie nach Phoenix, um zumindest einmal die Hauptstadt zu betreten, die ausschlaggebend für ihren eigenen Vornamen gewesen war. Sie wusste, warum sie Arizona hieß und empfand es nach wie vor als äußerst geschmacklos. Offensichtlich war es manchen Eltern enorm wichtig, ihre Kinder nach dem Ort ihrer Zeugung zu benennen. Die Beckhams hatten Brooklyn ja ebenfalls nach dem New Yorker Stadtteil taufen lassen.

 

„..richtig verliebt,“ gluckste Caroline, als sie sich an Arizona vorbeischob, um selbst von der Suppe zu nehmen. „Den Blick kenn ich.“

 

„Wie bitte?“ Was war denn bloß los mit ihr? So unaufmerksam war sie schon lange nicht mehr gewesen. Doch gerade fühlte es sich gut an, ihren eigenen Gedanken nachzuhängen.

 

„Der Laufington-Junge hat dir mächtig den Kopf verdreht.“ Grinsend pickte Caroline ein kleines Jourgebäck aus dem Körbchen und überreichte es Arizona. „Probier‘ das hier zur Suppe. Ich hab‘ es mit Knoblauchöl verfeinert.“ Genau so stank es auch. Leicht angewidert nahm Arizona das Brötchen mit einem halbwegs höflichen „Danke“ entgegen.

 

„Ich weiß selbst nicht, was mit mir los ist,“ gab sie seufzend zu.

 

„Das ist nicht weiter schlimm,“ meinte Caroline und tätschelte ihren Arm. „Das Verhalten kenne ich von meinen Kindern. Ganz aktuell sogar! Und eine Schwärmerei zu haben, ist doch etwas Wunderbares!“

 

„Außer, einem wird das Herz gebrochen,“ murmelte sie und vermied es, Caroline dabei anzusehen. „Das gehört zum Erwachsenwerden dazu. So jung, wie ihr seid, habt ihr noch viel zu viele Möglichkeiten. Alles ausprobieren, bis man sich festlegt. Hörst du?“ Laut schlürfend aß Caroline von ihrer Suppe. „Und wenn man glaubt, das Richtige zu tun, und später bemerkt, dass es das nicht war, besser abbrechen und sich Neuem zuwenden. Das tut oftmals weh, aber längerfristig gesehen weniger.“

 

Arizona zog die Brauen zusammen. Plapperte Mrs. Lee nur vor sich hin, oder war das tatsächlich ein gutgemeinter Ratschlag? „Wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich mich dran halten…“

 

„Hör‘ nicht auf eine alte Frau wie mich,“ lächelte die Künstlerin.

 

„Hör‘ auf gar keinen Fall auf sie!“ Arizona erkannte Deans angenehme Stimme sofort hinter sich und wandte sich mit einem Lächeln zu ihrem Schulkollegen um. „Was tust du überhaupt hier?“

 

„Auf wen soll ich jetzt hören? Auf den jungen, gutaussehenden Hockeyspieler, oder dessen erfahrene, junggebliebene Mutter?“ Grinsend schob sie sich einen vollen Löffel Suppe in den Mund und sah ihr Gegenüber abwartend an, während dieser Francine begrüßte.

 

„Wirf nicht mit Komplimenten in die falsche Richtung, Dearing,“ meinte Dean zwinkernd, nachdem er sich schließlich zu ihr und seiner Mutter gesellt hatte.

 

„Oh, ich glaube, ich hab‘ schon die richtige erwischt. Mein Bruder findet das auch immer ganz toll…“

 

„Wer hört denn nicht gerne Komplimente?“, fragte Caroline, als wäre es das Abartigste auf der Welt.

 

„Lucas.“

 

„Luke.“

 

Sie verschluckte sich beinahe an der Brühe, die sie gleich nach ihrer Antwort in den Mund genommen hatte.

 

„Dabei hat der Junge ein so entzückendes Gesicht,“ seufzte Caroline. „Ich gehe davon aus, dass er sich von mir nicht malen lassen wird?“

 

„Bestimmt nicht,“ murmelte Arizona.

 

„Deanybeany, fragst du ihn vielleicht einmal?“ Carolines Augen wurden kugelrund, als sie ihren Sohn bettelnd ansah.

 

„Mach‘ das bitte selbst!“ Unwirsch trat er an seiner Mutter vorbei, um sich einen Teller zu nehmen. „Wenn du mit ihm schon über mich reden musst, kannst du ihn ja auch das fragen, nicht?“

 

„Sind wir heute ein bisschen empfindlich?“ Caroline sah ihm kopfschüttelnd zu, wie er sich eine große Portion Reis und Gemüse auflud.

 

„Das ist mir total unangenehm.“ Er wandte sich um und schielte zur Tür. „Und es war unangebracht!“

 

„Es tut mir leid, Dean, aber du kennst mich. Ich kann meinen Mund einfach nicht halten.“ Caroline grinste schief.

 

 „Ich weiß.“ Er rollte mit den Augen, lächelte jedoch dabei. „Aber, wenn wir unseren Weg gehen sollen, dann versuch‘ nicht, ihn vorher für uns zu ebenen.“ Mit einem großen Schritt war er neben seiner Mutter und küsste sie auf den Kopf. „Ich bin dann in meinem Zimmer und lass die Damen in Ruhe tratschen.“

 

„Wir tratschen nicht, wir besprechen Bücher,“ meinte Arizona, hauptsächlich, um etwas zu sagen.

 

Die Situation hatte gemischte Gefühle in ihr ausgelöst. Wie unbefangen und offen die beiden miteinander sprachen. Caroline wusste offensichtlich sehr viel über ihre Kinder und deren Innenleben, und schien sich regelmäßig mit ihnen darüber auszutauschen. Nun konnte sie auch Deans Ausgeglichenheit verstehen, und die Ruhe, die er ausstrahlte – seine Familie gab ihm Rückhalt.

 

So schön es war, das mit anzusehen, so schmerzlich war es auf der anderen Seite, diesen Zusammenhalt nie wieder empfinden zu werden. Sie würde sich niemandem mehr so öffnen, wie sie es ihrer Mutter gegenüber getan hatte, aus Angst durch einen erneuten Verlust verletzt zu werden. Außerdem war es viel einfacher sich ohne emotionalen Ballast durchs Leben zu schlängeln. Beinahe täglich sah sie Sebastians Gefühlswelt Achterbahn fahren, da sein Jähzorn eine beträchtliche Rolle dabei spielte, dass er nicht nur gute Tage hatte. Das hatte sie nicht nötig. Ohne etwas zu empfinden, war es so viel einfacher.

 

„Dann besprecht mal das hier gleich mit,“ grinste Dean, drehte sich endgültig zur Tür, schlug sich auf den Hintern und verließ kichernd das Zimmer.

 

[...]